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zutritt auf eigene gefahr

 

suedamerikanische ohrenwaffeln

permanenter Link von howl am 23.11.2011 09:13

da wir uns die beiden letzten wochenenden schon nicht sehen konnten, war j.j. gestern abend mal zu besuch bei mir.

als er maurice sah, war er sofort rettungslos verliebt und liess mich links liegen.
nachdem ich den vorschlag gemacht hatte, waffeln zu backen, mochte er mich aber doch wieder ein bisschen lieber und folgte mir maurice unter den arm geklemmt in die kueche, in der neuerdings auch zwei stuehle und ein tisch stehen.

"soll ich schon mal kaffee kochen?" fragte j.j.
"nein", antwortete ich.
"wieso nicht?"
"weil du mit meiner kaffeemaschine nicht umgehen kannst und wir die schwarze bruehe hinterher wegschuetten muessen."
daraufhin schmollte j.j. und fing an eine von den mandarinen zu schaelen, die auf einem teller auf dem kuechentisch lagen.

nach einer weile fragte er:
"wie lange liegen die denn schon hier?"
"weiss ich nicht mehr. ein paar wochen."
j.j. murmelte irgendwas und nickte.
"was denn?" fragte ich.
"ich hab' nur laut gedacht."
"nicht laut genug. ich hab's nicht verstanden."
"DAS MERKT MAN, DASS DIE SCHON EIN PAAR WOCHEN HIER LIEGEN", bruellte er mir daraufhin ins ohr, "DIE LASSEN SICH JA GAR NICHT MEHR SCHAELEN."
"du hast auch immer was zu meckern, woll?"

in der zwischenzeit hatte ich den teig zusammengeruehrt und j.j. suchte in meinem kuechenschrank nach dem waffeleisen. dabei foerderte er auch einen schraubenzieher und einen fleischklopfer zu tage.
"was ist DAS denn?" fragte er mich.
"ein schraubenzieher, hoernchen."
er schnitt eine grimmasse und wedelte dann mit dem fleischklopfer.
"ein fleischklopfer."
"bist du sicher?"
"ja."
j.j. zeigte auf die klopfflaeche, hielt die backflaeche des waffeleisens daneben und fragte "faellt dir was auf?"
er hatte recht, die aehnlichkeit war verblueffend.
"das ist ein waffelhammer", erklaerte j.j., "damit kann man toastbrot in waffeln ... haemmern."
"vielleicht brauchen wir trotzdem erstmal den teig auf", schlug ich vor, "ausserdem hab' ich gar kein toastbrot da."
damit war er einverstanden.

da ich ihn schon beim teigruehren aussen vor gelassen hatte und er auch keinen kaffee kochen durfte, schlug ich vor, dass j.j. den teig ins waffeleisen loeffeln sollte, waehrend ich mir selbst an der kaffeemaschine zu schaffen machte. hoch erfreut setzte er sich maurice auf den kopf und machte sich ans werk.
als ich wieder hinsah, hatte er eine ganze suppenkelle in das eisen geschoepft und der teig war schon aus der gestanzten form herausgeschwappt.
"das war ein bisschen viel, hm?" meinte er.
"mach schnell zu", sagte ich, "bevor der rotz ganz rauslaeuft.

j.j. klappte den oberen teil des eisens runter und wir beobachteten, wie der teig sofort aufging und den deckel hochdrueckte.
"wow", sagte er, "das geht aber schnell. wie lange dauert das, bis die fertig ist?"
"nicht sehr lange", antwortete ich.
"aha, und wieviel vor "nicht sehr lange" haben wir jetzt?"
"ein bisschen."

etwa eine minute spaeter hob j.j. behutsam den oberen teil des eisens an. et voilà, die erste waffel war fertig. ich gab ihm meinen hoelzernen pfannenwender (den ich auch fuer meine zauberpfanne benutze, woll?) und er hob die waffel stolz aus der form und platzierte sie auf einem teller.
"die hat ohren", merkte ich an, da der ueberschuessige teig sich am rand der eigentlichen waffelform ohrenartig angebacken hatte.
"das ist eine suedamerikanische ohrenwaffel", erklaerte j.j., "die sind vom aussterben bedroht."
"das liegt an ihren fressfeinden", sagte ich.

j.j. fuhr fort, teig in das eisen zu loeffeln, war aber etwas sparsamer dabei und produzierte nur noch EINE weitere ohrenwaffel.
als alles fertig war, brachte j.j. meinem koreanischen mitbewohner einen teller mit zwei waffeln und entlockte ihm durch seinen maurice-kopfschmuck immerhin ein kleines laecheln.

anschliessend waehlte er aus meinem geschirrschrank zwei tassen fuer unseren kaffee raus, wozu er einige zeit brauchte.
den becher mit den weihnachtsmotiven, stellte er nach kurzem ueberlegen wieder zurueck und nahm stattdessen die bauchige tasse mit der pflaume. mir stellte er die schnupferich-tasse hin, die er mir in kopenhagen besorgt hatte.

dann stopften wir uns derartig mit den uebrigen waffeln voll, dass sich das essen gehen, das wir eigentlich noch geplant hatten, eruebrigte.