zutritt auf eigene gefahr
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lolli
von howl am 16.10.2011 15:53
samstag mittag lagen j.j. und ich wie zwei grummelgreise im altersheim in decken gewickelt auf der breiten liege auf seinem balkon und liessen uns die herbstsonne auf die ruebe scheinen, als jemand durch die wohnzimmerbalkontuer rauskam und „hi“, sagte.
„piss off, lolli“, murmelte j.j., der sich im halbschlaf krakenartig an meine seite geschmiegt hatte, in mein rechtes ohr.
da fiel mir wieder ein, dass er am vorabend erwaehnt hatte, die tochter seiner mitbewohnerin, die irgendeinen monats- oder wochentagsnamen habe („die heisst, k.a. juni oder august oder donnerstag. aber ich nenn sie lolli, weil sie immer ‚nen lutscher in der fresse hat“) sei zu besuch, und haette ihm bereits innerhalb von fuenf minuten den letzten nerv geraubt.
da stand sie, ein duerres 14-jaehriges maedchen, barfuss und in ein kurzes, weisses kleid gehuellt, das aus einem kleiderunueblichen material gemacht zu sein schien, sowas wie papier oder zellstoff, in dem sie mit ihrem straehnigen blonden haar wie ein anaemischer aushilfsengel aussah.
und wie j.j. gesagt hatte, nuckelte sie gerade an einer eingestielten suessigkeit, was lange nicht so sexy aussah, wie sie sich anscheinend erhofft hatte.
vollkommen unbeeindruckt von j.j.s abweisendem kommentar sah sie mich mit einer mischung aus neugier und feindseligkeit an und sagte nach kurzem ueberlegen: „konnichiwa.“ -.-
(die nun folgende konversation fand vorwiegend in englischer sprache statt, ich hab’s aber der einfachheit halber weitgehend deutsch aufgeschrieben)
„bobbys geliebte ist auch japanerin“, fuhr das maedel fort, „deshalb spreche ich die sprache.“
was heisst denn hier „auch“, dachte ich mal wieder frustriert angesichts der fehlerhaften lokalen zuordnung meiner person und wer ist eigentlich bobby?
„ich komme aus essen“, sagte ich missmutig, was dem kraken, der mich immer noch fest im griff hatte, ein grinsen aufs gesicht zauberte.
er drehte den kopf in lollis richtung und ergaenzte meine aussage:
„das liegt zwischen vietnam, laos und noch irgendwas.“
„kambodscha“, schlug ich vor.
„ja, oder burma oder was weiss ich“, fuhr j.j. fort, „man sagt auch goldenes dreieck dazu.“
lolli, die inzwischen merklich verkuehlt mit hochgezogenen fuessen auf einem der balkonstuehle hockte, zog eine schwer zu deutende schnute.
ich bestaetigte j.j.s aussage, indem ich noch mal betonte:
„man sagt „essen“ oder „goldenes dreieck“ dazu. ist ein ganz kleines land.“
dem maedel schien bewusst zu sein, dass sie gerade verarscht wurde, sie konnte aber in ihrem duerftigen geographischen repertoire keine nuetzliche information finden und sagte stattdessen raetselhaft:
„wie das bermuda dreieck.“
woraufhin ich nicht anders konnte als zu sagen:
„genau. im bermuda dreieck verschwinden die flugzeuge und in essen kommen sie wieder raus.“
j.j. prustete etwas von dem mineralwasser, das er gerade trinken wollte, spektakulaer durch die nase und wir malten uns auf deutsch ein szenario aus, bei dem in hawaiihemden gekleidete amerikanische touristen verwirrt durch die essener innenstadt irrten, nachdem sie aus einem auf dem unigelaende gestrandeten flieger ausgestiegen waren.
erzuernt darueber, dass wir uns erst ueber sie lustig machten und dann noch ignorierten, stand lolli wieder auf, stapfte auf dem balkon herum und machte anstalten, sich an j.j.s kuemmerlichen geranien zu vergreifen. aber nach seinem von gaenzlich unerwarteter zuneigung zu dem welken gestruepp zeugenden „fass die an und du bist tot“ sah sie davon ab.
stattdessen begab sie sich zur zweiten balkontuer und gaffte neugierig in j.j.s schlafzimmer.
„ihr seid schwul“, bemerkte sie scharfsinnig (genau genommen sagte sie „you’re fags“ was mal so GAR NICHT pc ist) aber offenbar mit der absicht, es als provokation zu benutzen.
„yeah, yeah“, sagte j.j. gelangweilt und lolli fragte mit dem finger auf das bett deutend allen ernstes: „you f*** here?“
„nein, wir halten haendchen und beten“, erwiderte j.j., „und jetzt verpiss dich.“
zoegernd ging die kleine zurueck zu dem stuhl und begann wieder an ihrem lolli zu lutschen. ich konnte j.j. ansehen, dass sein geduldsfaden, der normaler weise drahtseilqualitaet hat, dabei war aufzuribbeln.
das hielt das maedel nicht davon ab, uns in einem laengeren monolog noch ein wenig von bobby zu erzaehlen, der wie sich herausstellte wohl ihr vater ist und von ihrem „lover“, der zwei jahre aelter ist als meiner.
j.j.s zahlreiche verbale verscheuch-versuche ignorierte sie einfach und es kuemmerte sie offenbar nicht, dass sie sich sowohl raeumlich als auch gespraechstechnisch auf absolutem sperrgebiet bewegte. das thema „fags“ gefiel ihr dabei anscheinend besonders:
„ihr solltet in boston (was wie BAAAston klang) leben“, sagte sie, „da gibt’s naemlich einen richtigen schwulen-stadtteil.“
daraufhin platzte j.j. endgueltig der kragen und er erwiderte:
„in koeln darf man sogar ueberall schwul sein, du reaktionaerer kleiner scheisser. und jetzt hau ab, sonst knallt’s!“
damit stand er auf, packte das ueberraschte maedchen im genick und schob sie vom balkon ins wohnzimmer. nachdem er sie von da aus weiter in den flur komplementiert hatte, schloss er die tuer hinter ihr ab und tat so, als ob er den schluessel vom balkon in den hinterhof schmeissen wollte.
„uuuh, wie lange bleibt die denn noch?“ fragte ich, als er sich immer noch ziemlich geladen wieder zu mir auf die liege setzte.
„sechs wochen“, antwortete j.j. niedergeschlagen.
„uuuh“, sagte ich noch mal.
wir schwiegen eine weile. dann fragte j.j. schliesslich:
„denkst du sie passt in den kofferraum?“
„piss off, lolli“, murmelte j.j., der sich im halbschlaf krakenartig an meine seite geschmiegt hatte, in mein rechtes ohr.
da fiel mir wieder ein, dass er am vorabend erwaehnt hatte, die tochter seiner mitbewohnerin, die irgendeinen monats- oder wochentagsnamen habe („die heisst, k.a. juni oder august oder donnerstag. aber ich nenn sie lolli, weil sie immer ‚nen lutscher in der fresse hat“) sei zu besuch, und haette ihm bereits innerhalb von fuenf minuten den letzten nerv geraubt.
da stand sie, ein duerres 14-jaehriges maedchen, barfuss und in ein kurzes, weisses kleid gehuellt, das aus einem kleiderunueblichen material gemacht zu sein schien, sowas wie papier oder zellstoff, in dem sie mit ihrem straehnigen blonden haar wie ein anaemischer aushilfsengel aussah.
und wie j.j. gesagt hatte, nuckelte sie gerade an einer eingestielten suessigkeit, was lange nicht so sexy aussah, wie sie sich anscheinend erhofft hatte.
vollkommen unbeeindruckt von j.j.s abweisendem kommentar sah sie mich mit einer mischung aus neugier und feindseligkeit an und sagte nach kurzem ueberlegen: „konnichiwa.“ -.-
(die nun folgende konversation fand vorwiegend in englischer sprache statt, ich hab’s aber der einfachheit halber weitgehend deutsch aufgeschrieben)
„bobbys geliebte ist auch japanerin“, fuhr das maedel fort, „deshalb spreche ich die sprache.“
was heisst denn hier „auch“, dachte ich mal wieder frustriert angesichts der fehlerhaften lokalen zuordnung meiner person und wer ist eigentlich bobby?
„ich komme aus essen“, sagte ich missmutig, was dem kraken, der mich immer noch fest im griff hatte, ein grinsen aufs gesicht zauberte.
er drehte den kopf in lollis richtung und ergaenzte meine aussage:
„das liegt zwischen vietnam, laos und noch irgendwas.“
„kambodscha“, schlug ich vor.
„ja, oder burma oder was weiss ich“, fuhr j.j. fort, „man sagt auch goldenes dreieck dazu.“
lolli, die inzwischen merklich verkuehlt mit hochgezogenen fuessen auf einem der balkonstuehle hockte, zog eine schwer zu deutende schnute.
ich bestaetigte j.j.s aussage, indem ich noch mal betonte:
„man sagt „essen“ oder „goldenes dreieck“ dazu. ist ein ganz kleines land.“
dem maedel schien bewusst zu sein, dass sie gerade verarscht wurde, sie konnte aber in ihrem duerftigen geographischen repertoire keine nuetzliche information finden und sagte stattdessen raetselhaft:
„wie das bermuda dreieck.“
woraufhin ich nicht anders konnte als zu sagen:
„genau. im bermuda dreieck verschwinden die flugzeuge und in essen kommen sie wieder raus.“
j.j. prustete etwas von dem mineralwasser, das er gerade trinken wollte, spektakulaer durch die nase und wir malten uns auf deutsch ein szenario aus, bei dem in hawaiihemden gekleidete amerikanische touristen verwirrt durch die essener innenstadt irrten, nachdem sie aus einem auf dem unigelaende gestrandeten flieger ausgestiegen waren.
erzuernt darueber, dass wir uns erst ueber sie lustig machten und dann noch ignorierten, stand lolli wieder auf, stapfte auf dem balkon herum und machte anstalten, sich an j.j.s kuemmerlichen geranien zu vergreifen. aber nach seinem von gaenzlich unerwarteter zuneigung zu dem welken gestruepp zeugenden „fass die an und du bist tot“ sah sie davon ab.
stattdessen begab sie sich zur zweiten balkontuer und gaffte neugierig in j.j.s schlafzimmer.
„ihr seid schwul“, bemerkte sie scharfsinnig (genau genommen sagte sie „you’re fags“ was mal so GAR NICHT pc ist) aber offenbar mit der absicht, es als provokation zu benutzen.
„yeah, yeah“, sagte j.j. gelangweilt und lolli fragte mit dem finger auf das bett deutend allen ernstes: „you f*** here?“
„nein, wir halten haendchen und beten“, erwiderte j.j., „und jetzt verpiss dich.“
zoegernd ging die kleine zurueck zu dem stuhl und begann wieder an ihrem lolli zu lutschen. ich konnte j.j. ansehen, dass sein geduldsfaden, der normaler weise drahtseilqualitaet hat, dabei war aufzuribbeln.
das hielt das maedel nicht davon ab, uns in einem laengeren monolog noch ein wenig von bobby zu erzaehlen, der wie sich herausstellte wohl ihr vater ist und von ihrem „lover“, der zwei jahre aelter ist als meiner.
j.j.s zahlreiche verbale verscheuch-versuche ignorierte sie einfach und es kuemmerte sie offenbar nicht, dass sie sich sowohl raeumlich als auch gespraechstechnisch auf absolutem sperrgebiet bewegte. das thema „fags“ gefiel ihr dabei anscheinend besonders:
„ihr solltet in boston (was wie BAAAston klang) leben“, sagte sie, „da gibt’s naemlich einen richtigen schwulen-stadtteil.“
daraufhin platzte j.j. endgueltig der kragen und er erwiderte:
„in koeln darf man sogar ueberall schwul sein, du reaktionaerer kleiner scheisser. und jetzt hau ab, sonst knallt’s!“
damit stand er auf, packte das ueberraschte maedchen im genick und schob sie vom balkon ins wohnzimmer. nachdem er sie von da aus weiter in den flur komplementiert hatte, schloss er die tuer hinter ihr ab und tat so, als ob er den schluessel vom balkon in den hinterhof schmeissen wollte.
„uuuh, wie lange bleibt die denn noch?“ fragte ich, als er sich immer noch ziemlich geladen wieder zu mir auf die liege setzte.
„sechs wochen“, antwortete j.j. niedergeschlagen.
„uuuh“, sagte ich noch mal.
wir schwiegen eine weile. dann fragte j.j. schliesslich:
„denkst du sie passt in den kofferraum?“
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